GOOD PRACTICE

Unternehmensporträt | Wie Hostsharing sich als Genossenschaft für nachhaltiges Webhosting engagiert

WIR SIND:

Hostsharing eG, Genossenschaft für Webhosting
Standort: Hamburg
Gegründet 2000
Mitarbeiterzahl: 9
Branche: Internet Service Provider
https://hostsharing.net

NACHHALTIG & DIGITAL WEIL:

"Nachhaltigkeit war für uns die Triebfeder, überhaupt eine Hosting-Genossenschaft zu gründen, denn im Jahr 2000 war Nachhaltigkeit im IT-Bereich kein Thema." Estelle Goebel-Aribaud, Hostsharing eG

Das Team von Hostsharing
Das Team von Hostsharing
© Hostsharing eG
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Der Aufsichtsrat (v.l.n.r. Michael Hönnig, Guido Schnepp & Simon Berg)
Der Aufsichtsrat (v.l.n.r. Michael Hönnig, Guido Schnepp & Simon Berg)
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Logo
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Kaum eine Branche, kaum ein Unternehmen kommt heute ohne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) aus - denn ohne Smartphone, Software und Server keine Digitalisierung. Doch wie lassen sich in der wachsenden IKT-Branche digitale "Rebounds" beherrschen? Wie muss die digitale Infrastruktur für eine nachhaltige Digitalisierung beschaffen sein? Hostsharing hat es sich zur Aufgabe gemacht, unabhängig und zudem ökologisch, sozial und ökonomisch zu agieren und dafür eine Genossenschaft gegründet.

Im Gespräch mit nachhaltig.digital berichtet Estelle Goebel-Aribaud, wie die Genosschenschaft ein nachhaltiges Webhosting realisiert:

Was macht Ihr Unternehmen und was unterscheidet Sie von anderen Hosting-Lösungen?

Estelle Goebel-Aribaud: Hostsharing eG ist der einzige uns bekannte genossenschaftlich organisierte Hosting-Anbieter in Deutschland mit eigener Managed Operations Plattform.

Die Mitglieder der Genossenschaft teilen sich die Kosten für den Hosting-Betrieb an drei Rechenzentrumsstandorten. Sicherheit und Schutz der gehosteten Daten sind bei uns seit Jahren selbst beim kleinsten Einsteiger-Paket Standard. Wir bieten die im Webhosting üblichen Services an und darüber hinaus besondere Services, wie zum Beispiel unseren Webmaster on Demand, der den Mitgliedern bei Problemen mit ihren eigenen Webanwendungen hilft.

Insbesondere schätzen unsere Mitglieder, dass ihnen das Managed Hosting bei Hostsharing keine Fesseln anlegt und sie bei uns auch Anwendungen hosten können, die nicht dem Mainstream entsprechen. Auf unseren Servern laufen dank Virtualisierung nahezu alle Serverdienste und Anwendungen.

Webspace-Pakete können beliebig angepasst werden und wachsen mit den Bedürfnissen des Mitglieds. Von der Vereins-Webseite über Blogs und Shops bis zur unternehmensweiten Individuallösung mit hohem Automatisierungsgrad wird bei uns alles gehostet.

Mitglieder von Hostsharing sind Agenturen, (Startup-)Unternehmen aus Industrie und IT, Betreiber von Online-Shops, Anwendungsentwickler, Webdesigner, Schriftsteller und Blogger.

Wie wird bei Ihnen Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammengebracht?

Estelle Goebel-Aribaud: Softwareanwendungen ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig zu hosten war einer der ursprünglichen Antriebe für die Gründung von Hostsharing. Nachdem es uns gelungen war, technisch langlebige Lösungen zu entwickeln und wir als Genossenschaft nachhaltige, langfristige Kundenbeziehungen aufbauen konnten – unsere Kunden sind als Mitglieder der Genossenschaft Miteigentümer des Hosting-Unternehmens – konzentrieren wir uns seit einigen Jahren darauf, unser Hosting ökologisch verträglich zu machen.

Zu erwähnen sind hier drei Stellschrauben:

1. Im Managed Hosting können technische Ressourcen (Energie, Hardware) durch gemeinsame Nutzung besonders effizient eingesetzt werden.

2. Unsere Rechenzentren arbeiten mit Strom aus erneuerbaren Energien.

3. Wir betrachten unsere Lieferkette unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten. Beim Einkauf neuer Server, wird z. B. auf nachhaltige Produktion geachtet.

Welcher konkrete Nutzen ergibt sich daraus? Welche Kosten sind bzw. waren damit für Ihr Unternehmen verbunden?

Estelle Goebel-Aribaud: Im Fall von Hostsharing ergibt sich für die Mitglieder der Vorteil, dass unsere Plattformlösung die technische Infrastruktur optimal und flexibel managed, sodass nur die vom Mitglied benötigten Ressourcen aktiviert werden müssen. Die Mitglieder werden von Routineaufgaben wie Backup und Softwarepflege der Serverlandschaft entlastet.

Der ökologische Nutzen entsteht durch den Infrastrukturbetrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien sowie die Nutzung einer Infrastruktur durch viele Mitglieder, im Gegensatz zu lokal betriebenen Unternehmensnetzen, die in der Summe mehr Strom- und Hardwareverbrauch aufweisen würden. Hier entstehen für die Genossenschaft Kosten, welche die Mitglieder gemeinsam tragen.

Kostentransparenz ist bei uns ein wichtiges Element, denn unser Grundsatz lautet, dass jedes Mitglied für die Kosten aufkommt, die dessen Leistungsverbrauch abbilden.

Und wie sieht es mit dem zusätzlichen Energie- und Ressourcenaufwand für die digitalen Technologien aus – wird dieser bereits erfasst und wenn ja, wie fällt die Bilanz aus?

Estelle Goebel-Aribaud: Unsere Mitglieder haben als Gemeinschaft die zu digitalisierenden Leistungen an die Genossenschaft delegiert, dadurch ist der Aufwand für Energie und Ressourcen des Einzelnen sowie in der Summe geringer.

Hostsharing selbst hat Energiekosten für Strom aus erneuerbaren Energien, die Hardware-Ressourcen werden soweit möglich aus nachhaltiger Produktion erworben. Das ist bei Hardware derzeit noch nicht so verbreitet, wird allerdings zunehmend auch von Herstellern beachtet. Hier entstehen ebenfalls Mehraufwände, wenn neue Hardware angeschafft werden muss. Wir achten darauf, ausgewählte Spitzentechnologie auch im Hinblick auf den Energiebedarf und die Nutzungsdauer zu kaufen.

Durch unser Monitoring sichern wir nicht nur den störungsfreien Betrieb unserer Managed Operations Platform – wir haben natürlich auch den Energieverbrauch dabei im Blick, sodass wir hier gezielt optimieren können.

Welche Abteilungen oder Mitarbeiter befassen sich in Ihrem Unternehmen mit Digitalisierung? Welche mit Nachhaltigkeit? Gibt es Schnittstellen?

Estelle Goebel-Aribaud: Unser Vorstand Michael Hierweck ist der führende Kopf unserer Digitalisierungsstrategie, die Umsetzung erfolgt in den jeweiligen Teams. Das ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst sich der Vorstand sowie das Team „Nachhaltigkeit“.

Die Schnittstelle entsteht dadurch, dass die Auswertungen der Nachhaltigkeitsbilanz in die strategische Planung und Erweiterung unserer Infrastruktur einfließen.

Gab es Netzwerke, Kooperationen oder sonstige Erfolgsfaktoren, die bei der nachhaltig-digitalen Ausrichtung Ihres Unternehmens besonders hilfreich waren?

Estelle Goebel-Aribaud: Wo immer es sinnvoll ist, setzen wir auf Netzwerke und Kooperationen. Als wir uns im Jahr 2000 gründeten, waren wir in vieler Hinsicht Pionier und auf uns selbst gestellt. Wir sind jedoch von Anfang an fest in der internationalen Open-Source-Community verankert. Wir setzen beispielsweise eine der nachhaltigsten Linux-Distributionen auf unseren Servern ein, die von Unternehmensinteressen unabhängige Community-Distribution: Debian GNU/Linux.

Um unsere soziale Nachhaltigkeit weiter zu entwickeln, sind wir vor kurzem Mitglied des Internationalen Vereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie e.V. geworden und erstellen eine Gemeinwohlbilanz.

Wo mussten Sie unerwartete Stolpersteine überwinden?

Estelle Goebel-Aribaud: Als Hostsharing gegründet wurde, war die IT-Wirtschaft von einer Mentalität beherrscht, bei der Nachhaltigkeit keine Rolle spielte und die großen Internet-Provider versuchten, durch sog. Lock-in-Angebote Kunden an sich zu binden. Diese Taktik verfolgen bis heute viele Cloud-Anbieter.  Wir wollen unsere Kunden und Mitglieder souverän, also unabhängig, frei und leistungsfähig machen. Freiheit kostet aber. Da unser Unternehmenszweck Digitalisierungsangebote und Nachhaltigkeits­aspekte beinhaltete, gab es hier eine Diskrepanz zu den vermeintlich günstigen Angeboten anderer Anbieter.

Mittlerweile beginnt sich das Blatt zu wenden und es kommen zunehmend Unternehmen auf uns zu, die ihre Digitalisierung nicht komplett aus der Hand geben wollen und das Nachhaltigkeitskonzept mitbestimmen wollen. Hierfür eignet sich das genossenschaftliche Modell hervorragend. 

Welche Chancen sehen Sie in der Digitalisierung für Ihr Unternehmen?

Estelle Goebel-Aribaud: Für Hostsharing ist die Digitalisierung mit Blick auf die Nachhaltigkeit eine positive Marktchance. Bei unserem genossenschaftlichen Modell behalten die Unternehmer ihre Daten, auch mit bei uns gehosteten Cloudlösungen, in den eigenen Händen. Sie sind Teilhaber mit Mitspracherecht bei der strategischen Ausrichtung und Produktentwicklung. Schon deshalb werten wir Daten nur aus, soweit dies im Interesse der Mitglieder liegt.

Dann sind die Risiken der Datensicherheit zu beachten. Digitale Komponenten im Unternehmen sind unbedingt geeignet zu schützen. Gerade im Mittelstand wird das teilweise nicht konsequent bedacht. Das ist jedoch ein Aspekt der Digitalisierung, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Dabei gibt es Abstufungen, teils werden Bedrohungen bereits bei uns in den Rechenzentren abgewehrt, aber auch die Nutzer müssen für Gefahren durch Malware und Ransomware sensibilisiert werden.

Der Digitalisierungsprozess ist die Weiterführung der technologischen Entwicklung, an der kaum noch jemand vorbeikommt.

Nun ein Blick in die Zukunft: Welche Chancen sehen Sie in der Digitalisierung für eine nachhaltige, lebenswerte Zukunft – und welche Risiken?

Estelle Goebel-Aribaud: Chancen der Digitalisierung sehen wir in der Entlastung der Menschen und möglicherweise der Umwelt; z. B. könnte man durch Förderung von Remote-Arbeitsplätzen den Berufsverkehr und dadurch entstehende Umweltbelastungen und volkswirtschaftliche Schäden reduzieren. Durch Automatisierung werden Personalkosten geringer. Im Idealfall werden die Menschen von Routinetätigkeiten entlastet und gewinnen so Raum für Kreativität und innovative Ideen.

Wie ein Ausgleich zwischen den „Gewinnern“ der Digitalisierung und den „Verlierern“ hergestellt werden kann, das ist eine Frage der nachhaltigen Staatsführung, sprich hier ist Aufklärung der Politik dringend nötig.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung für den Mittelstand in den nächsten fünf Jahren?

Estelle Goebel-Aribaud: Die Umstellung bzw. Weichenstellung auf „digital“ ist, was das technische Wissen angeht, doch etwas anspruchsvoll. Hier gilt es kompetente Beratung zu finden. Das ist in den meisten Fällen mit Investitionskosten verbunden, die für die weitere Entwicklung des Unternehmens entscheidend sein könnten. Vor allem sollte man nicht Hals über Kopf in irgendeine Cloudlösung investieren, sondern genau analysieren oder sich beraten lassen, welche Anforderungen für das jeweilige Unternehmen kritisch sind und wie diese auch digital sicher verarbeitet werden können.

Wir sehen eine Herausforderung darin, dass insbesondere im Mittelstand der Wunsch besteht, die Daten nach Jahren des Outsourcens wieder in die eigene Hand zu nehmen, um sich von Abhängigkeiten zu lösen und den Datenschutz besser kontrollieren zu können. Genossenschaftliche Betreiberkonzepte können helfen, diese Ziele nachhaltig zu erreichen.

Und zum Abschluss: Welches Buch oder welchen Podcast würden Sie empfehlen?

Machine, Platform, Crowd: Harnessing Our Digital Future” von Andrew McAfee und Eric Brynjolfsson. Die Autoren verbinden viele bekannte Fakten rund um das Thema Digitalisierung miteinander. Das Buch ist hilfreich für eine erste Einschätzung der digitalen Entwicklung und die dahinter liegenden Konzepte und Player.

The Economic Singularity: Artificial Intelligence and the Death of Capitalism“ von Calum Chase beleuchtet ebenfalls die Digitalisierung und bezieht auch Überlegungen zur Nachhaltigkeit der Wirtschaft im digitalen Zeitalter mit ein.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Goebel-Aribaud!

Zum Weiterinformieren:

  • Termine der öffentlichen Teamsitzungen

Hostsharing bei #BitsundBäume

Die Genossenschaft Hostsharing ist Teil einer Reihe zu nachhaltig.digitaler Good Practices, die wir auf der Bits & Bäume Konferenz am 17. und 18. November 2018 in Berlin vorstellen. Diskutieren Sie mit Estelle Goebel-Aribaud von Hostsharing in unserem Workshop "Pitch'n'Bowl" (17.11., 12 Uhr im Raum Birke) oder besuchen Sie uns an unserem Stand im Forum, um diesen und weitere Vorreiter für eine nachhaltige Digitalisierung kennenzulernen.


Was wir suchen:

Natürlich suchen wir immer nach neuen Mitgliedern, die mit uns ihr Digitalisierungskonzept umsetzen. Wer sich aktiv in der Genossenschaft engagieren möchte, kann unverbindlich alle zwei Monate bei unseren öffentlichen Teamsitzungen dabei sein. Auch interessierte Studierende, die Informatik oder Wirtschaftsinformatik studieren und sich für unser Unternehmen interessieren, sind herzlich eingeladen.

Was wir bieten:

Wir bieten sichere, flexible und leistungsfähige Hostingdienstleistungen für businesskritische Anwendungen – mit persönlichem Ansprechpartner im Service und einzigartigen Zusatzleistungen wie zum Beispiel Hilfe bei eigenen Softwarelösungen und dem Webmaster on Demand.


Kontaktinformationen

Kontakt: Michael Hierweck
Position: Vorstand und Hostmaster
E-Mail: pr(at)hostsharing.net
Social-Media: https://twitter.com/hostsharing

Aktualisiert: 12.11.2018

nachhaltig.digital

Treten Sie gerne in Kontakt:

Koordinator
Carl-Ernst Müller
040 - 49 07 11 11
info@nachhaltig.digital 

Standort Hamburg
Osterstraße 58, 20259 Hamburg

Standort Osnabrück
An der Bornau 2, 49090 Osnabrück


In gemeinsamer Trägerschaft von

Sponsoren von B.A.U.M. für nachhaltig.digital

Strategischer Partner 2018