20 Jahre Homeoffice: So gelingt der Umstieg auf Remote Work


Sonderreihe Arbeitswelt | Viele mittelständische Unternehmen müssen wegen Covid-19 auf Remote Work umschalten. Wie gelingt dieser Umstieg ökologisch und ökonomisch nachhaltig? Die Hostsharing eG teilt ihre Erfahrungen aus 20 Jahren Homeoffice.

Kommunikation ist alles, so Jan Ulrich Hasecke
Kommunikation ist alles, so Jan Ulrich Hasecke
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Jan Ulrich Hasecke (Hostsharing eG)
Jan Ulrich Hasecke (Hostsharing eG)
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Genossenschaft für nachhaltiges Webhosting
Genossenschaft für nachhaltiges Webhosting
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Die Hostsharing eG, ein genossenschaftliches Hosting-Unternehmen, praktiziert seit 20 Jahren die digitale Zusammenarbeit übers Internet. Jan Ulrich Hasecke, Mitglied und Mitarbeiter von Hostsharing, hat für nachhaltig.digital die Erfahrungen der Genossenschaft zusammengefasst und Empfehlungen abgeleitet:

Digitale Souveränität anstreben

Hostsharing wurde im Jahr 2000 in einer Krise geboren. Ein großes Hostingunternehmen hatte massive Probleme. Zahlreiche IT-Professionals waren plötzlich offline. Anstatt zum nächsten Webhoster zu wechseln, gründeten einige von ihnen ein Gemeinschaftsunternehmen und definierten ihre eigenen Qualitätsstandards. Sie gewannen mehr digitale Souveränität, anstatt sich erneut abhängig zu machen.

#Tipp: Achten Sie beim Umstieg auf Remote Work darauf, Ihre Unabhängigkeit zu vergrößern. Ein Beispiel: Sie können Videokonferenzen mit dem US-amerikanischen Dienst Zoom durchführen. Sie nutzen dann jedoch einen Anbieter, an dem Datenschützer heftige Kritik geübt haben. So reichte etwa die Zoom-App für iOS persönliche Nutzerdaten ungefragt an Facebook weiter. Und die Administratoren des Dienstes, die Ihnen unbekannt bleiben, haben mindestens Zugang zu den Metadaten der Gespräche.

Es geht aber auch anders: nämlich mit Open-Source Videokonferenzlösungen wie Jitsi Meet oder BigBlueButton. Hostsharing hat die Open-Source-Version von BigBlueButton gerade erst erfolgreich einem Stresstest unterworfen. Ergebnis: Eine Videokonferenzlösung kann man problemlos selbst hosten. Ihr Vorteil: Sie behalten die Hoheit über Ihre persönlichen Daten und können essenzielle Datenschutz-Kriterien wie Datensparsamkeit und Verschlüsselung wirksam durchsetzen.

KISS Keep it Simple, Stupid

Die Unix-Philosophie formuliert Regeln für resiliente Computersysteme. Eine davon lautet: „Schreibe Computerprogramme so, dass sie nur eine Aufgabe erledigen und diese gut machen“. Hostsharing hat niemals mit einer großen integrierten Lösung gearbeitet. Wir setzen für jeden Zweck ein einfaches, aber effizientes Werkzeug ein. E-Mail, XMPP-Chat und das gemeinsame Datei-Management mit Git sind zum Beispiel einfacher als ein Online-Büro mit den komplexeren Open-Source-Lösungen Nextcloud oder Matrix.

Der Vorteil: Wir können einzelne Werkzeuge bei Bedarf gegen leistungsfähigere austauschen, ohne dass die anderen Anwendungen davon betroffen sind. Wenn dagegen die eierlegende Wollmilchsau das Zeitliche segnet, gibt es keine Eier, keine Wolle, keine Milch und kein Fleisch mehr.

#Tipp: Starten Sie mit den Programmen, die Sie wirklich brauchen. Mit einfachen Werkzeugen lassen sich die neuen Remote-Arbeitsprozesse leichter modellieren als mit großen, integrierten Lösungen. Sie gewinnen so mehr Agilität und Resilienz.

Kommunikation ist alles

Wenn bei uns Arbeitsprozesse knirschten, lag es nie an technischen Problemen, sondern immer an uns. Wir arbeiten beispielsweise nach dem Scrum-Modell und nutzen dafür das Open-Source-Tool Taiga. Die Software entbindet uns aber nicht von der Verantwortung, beim agilen Arbeiten die Methodik konsequent anzuwenden. Wir lernen jeden Tag dazu.

#Tipp: Wenn Sie Ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, reorganisieren Sie gewollt oder ungewollt eingespielte Prozesse. Dabei kommt es zu Reibungsverlusten, für die nicht die Software verantwortlich ist. Remote Work muss eingeübt werden. Reden Sie in der Übergangsphase noch intensiver miteinander!

Nachhaltig digital – jetzt erst recht

In einer Notfallsituation wie der Corona-Krise, werden hehre Grundsätze gerne über Bord geworfen. Tun Sie das nicht. Wiederholen Sie beim Umstieg auf Remote Work nicht die Fehler der Vergangenheit.

#Tipp: Setzen Sie auf freie Software und vermeiden Sie so die bei proprietärer Software unvermeidliche Abhängigkeit vom Hersteller, den so genannten Vendor Lock-in. Gehen Sie sparsam mit technischen Ressourcen um, indem Sie Hardware fürs Homeoffice umrüsten statt neu kaufen und indem Sie Software und Datenformate einsetzen, die weniger Rechenintensität, weniger Speicher und weniger Bandbreite benötigen.

#Tipp: Wählen Sie IT-Dienstleister, die selbst nachhaltig wirtschaften und sich wie Sie der Datensparsamkeit verpflichtet fühlen. Greifen Sie nicht zur erstbesten Software-as-a-Service-Lösung, sondern betreiben Sie Ihre Software bei einem  Hosting-Partner, der grünen Strom im Rechenzentrum einsetzt, die Lebensdauer von Hardware lange ausschöpft und Ressourcen durch effizientes Hosting schont. Nutzen Sie die Krise als Innovationsfenster, um nachhaltig digital zu werden!

Über den Autor

Jan Ulrich Hasecke (Hostsharing eG)

Jan Ulrich Hasecke betreut mittelständische Unternehmen als freiberuflicher Werbetexter. Bei der Hostsharing eG ist er für die Kommunikation verantwortlich.

Wie Hostsharing sich als Genossenschaft für nachhaltiges Webhosting engagiert, erfahren Sie im Unternehmensporträt.

Wie sich durch Corona unsere Arbeitswelt verändern wird - und wie wir die Krise als Chance für nachhaltigen Wandel nutzen können

 
    
Dieser Beitrag ist in der Sonderreihe Arbeitswelt zum Schwerpunkt "New Work" erschienen. Eine Übersicht aller Beiträge der Sonderreihe finden Sie hier.

Aktualisiert: 14.04.2020

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